Der Werkstoff Glas
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Glas ein Multitalent? | Der Werkstoff Glas ist heutzutage selbstverständlich geworden. Der alltägliche Nutzen wird oft nicht wahrgenommen. Und doch, das Leben würde ohne Glas anders aussehen! Glas steht für Qualität und Zuverlässigkeit - wir hätten keine Glühbirnen, keine Spiegel, keine Fensterscheiben. Insbesondere beim Bau hat Glas manche Werkstoffe ersetzt und neue Vielseitigkeit geschaffen. Grund genug, Glas viel mehr Beachtung zu schenken. Daher möchten wir Ihnen das Multitalent Glas hier ein wenig vorstellen. |
| Was ist eigentlich Glas? | Das Wort Glas hat seinen Ursprung im germanischen „Glaza“ und ist die Bezeichnung für „Bernstein“ oder auch „schimmern“. Glas ist eine erstarrte Flüssigkeit. In der Struktur ähnelt der Aufbau von Glas dem von Kristallen. Jedoch bilden die Glasmoleküle keine Kristallgitter, sondern ordnen sich völlig unsortiert an. Das ist der Grund, warum Glas transparent ist. Das als Baumaterial verwendete Glas ist ein Kalk-Natron-Glas. Bei der Herstellung werden die Rohstoffe so hoch erhitzt, bis sie zähflüssig sind. Dann wird die so entstandene Glasschmelze abgekühlt. Durch die Zähflüssigkeit und den kontrollierten Kühlungsprozess haben die einzelnen Moleküle keine Möglichkeit sich anzuordnen und es entsteht transparentes Glas. |
| Historie | Der Ursprung des Glases ist bis heute ungeklärt. Nachweislich wurde eine Schlacke, die als Nebenprodukt bei der Verhüttung von Kupfer entstand, schon im 5ten Jahrtausend vor Christi für die Glasur von Keramiken verwendet. Durch die Entwicklung der Glasmacherpfeife im Jahre 200 vor Christi wurde es möglich erste Gefäße aus Glas zu bilden. Glas als Raumabschluss ist erstmals in der römischen Zeit nachweisbar. Die flachen ca. 30x50 cm großen Glasscheiben wurden durch Gussverfahren hergestellt. Im 18ten Jahrhundert konnte durch die verbesserte Technik erstmals großflächige Scheiben hergestellt werden. Dennoch, Glas blieb weiterhin ein teurer Werkstoff. Erst im Jahre 1959 entwickelte der Engländer Alastair Pilkington das entscheidende Floatglasverfahren, das bis heute die Grundlage der Glasproduktion bildet. |
| Was ist das Floatglasverfahren? | Beim Floatglasverfahren wird das erwärmte Glas auf ein flüssiges ebenes Zinnbad geleitete. Das Glas schwimmt hierbei oben auf. Die Glasschmelze hat beim Eintritt in das Zinnbad eine Temperatur von 1000 °C. Bis zum Austritt kühlt sich dies auf 600 °C ab. Im Anschluss wird das Glas langsam und kontrolliert abgekühlt bis es wieder erstarrt ist. Das so entstandene spannungsfreie Glas kann nun geschnitten werden. Das Floatglas, auch Einfachglas, ist die am meisten verwendete Glasart. Durch die thermische Behandlung entstehen hieraus Sicherheitsgläser für Türen, Ganzglasanlagen, Duschen und Wandverkleidungen. |
| Glas im Innenraum? | Besonders für die Gestaltung von Innenräumen ist Glas ein vielseitiges, robustes und sicheres Material. Glas verbindet dabei nicht nur Funktionalität mit attraktivem Design, sondern zeichnet sich auch durch seine hohe Belastbarkeit, Hygiene und Reinigungsmöglichkeiten aus. Im Innenraum werden im wesentlichen Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) und Verbundsicherheitsglas (VSG) verwendet. |
| Was ist ESG? | ESG ist thermisch behandeltes Glas: Durch Erhitzen und schnelles kontrolliertes Erkalten der zugeschnittenen Glasscheibe erhält diese zusätzliche Oberflächenspannung. Dadurch wird das Glas widerstandsfähiger, die Biegefestigkeit und Temperaturbeständigkeit steigt. (ESG hat eine fast doppelt so hohe Biegefestigkeit wie Floatglas) Als wichtigster Unterschied zu Floatglas, das im Bruchfall scharfkantige, dolchartige Glassplitter und Glasscherben bildet, würden bei ESG kleine, stumpfkantige Glaskrümel entstehen. Wichtig ist, dass diese Gläser nachträglich nicht mehr geschnitten oder gebohrt werden können. |
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